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maeinchor:praxis:atmung

**Dies ist eine alte Version des Dokuments!**

Chorische Atmung

Die Kunst des unendlichen Klangteppichs

Die chorische Atmung (auch versetztes Atmen) ist eine spezielle Technik, die es einem Chor ermöglicht, extrem lange Phrasen ohne Unterbrechung zu singen. Das Ziel ist eine „Klangwand“, bei der das Publikum niemals hört, wann ein einzelner Sänger Luft holt.


1. Das Grundprinzip

Niemand hat unendlich Lungenvolumen. Das Geheimnis liegt in der De-Synchronisation: * Wir atmen nicht an den im Notentext markierten Kommata oder Phrasenenden (es sei denn, es ist ausdrücklich so gewollt). * Jeder Sänger atmet stattdessen individuell, wenn ihm die Luft ausgeht – aber niemals zeitgleich mit seinem direkten Nachbarn.


2. Die „Drei Goldenen Regeln“ für den Chorsänger

I. Die „Schleichfahrt“ (Unauffällig aus- und einsteigen)

Das Wichtigste ist, dass man den Moment des Atmens nicht hört. * Aussteigen: Den Ton nicht hart abreißen lassen, sondern leise „ausfaden“. * Einsteigen: Nicht mit einem harten Akzent (Glottisschlag) wieder einsetzen, sondern sanft in den bereits bestehenden Klang hineingleiten.

II. Niemals auf Taktstrichen atmen

Das menschliche Ohr ist darauf trainiert, rhythmische Schwerpunkte (wie die „1“ im Takt) besonders wahrzunehmen. * Fehler: Auf dem Taktstrich atmen. Das fällt sofort auf. * Lösung: Mitten im Ton oder auf unbetonten Zählzeiten atmen.

III. Den Nachbarn im Blick (und Ohr) haben

Chorische Atmung ist Teamarbeit. * Wenn du siehst oder hörst, dass dein linker Nachbar gerade Luft holt, musst du weitersingen, auch wenn deine Luft knapp wird. Warte, bis dein Nachbar wieder sicher im Klang ist, bevor du selbst absetzt.


3. Wann ist chorische Atmung nötig?

* Lange Haltenoten: Am Ende von Stücken oder bei Orgelpunkten. * Große Bögen: Wenn eine Melodie über viele Takte ohne Pause geschrieben ist. * Getragene Stücke: Bei sehr langsamen Tempi, wo ein normaler Atemzug physikalisch nicht ausreicht.


4. Übung für die Probe

  1. Der Chor singt einen langen Akkord (z. B. auf „u“ oder „o“).
  2. Der Chorleiter gibt kein Ende vor.
  3. Jeder Sänger atmet nach eigenem Ermessen, wann immer er will, und steigt sanft wieder ein.
  4. Ziel: Der Akkord darf niemals schwanken oder dünner werden; er muss wie eine stehende Orgelpfeife klingen.

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